IPAI Community Stories

Gemü:
KI-Optimierte Verpackung

Von 80 auf 95 Prozent: Wie KI-Vorschläge zielsicher zum richtigen Karton führen.

Der Ventiltechnik-Weltmarktführer GEMÜ nutzt KI für die Optimierung seiner Prozesse. In den IPAI-Spaces findet das Unternehmen den praxisnahen Austausch mit anderen Unternehmen.

Wenn in der Pharmaindustrie eine Produktionscharge fehlschlägt, stehen schnell Millionenbeträge auf dem Spiel. Große Hersteller weltweit setzen darum auf die Ventiltechnik von GEMÜ aus Kupferzell (Baden-Württemberg) – denn das mittelständische Unternehmen ist Weltmarktführer für Ventil-, Mess- und Regelsysteme in sterilen Prozessen. 2.500 Mitarbeitende an acht Produktionsstandorten entwickeln und fertigen Komponenten, die neben der Pharma- auch in der Food- und Biotech-Branche für höchste Zuverlässigkeit sorgen. Dabei ist GEMÜ nicht nur in der Pharmaindustrie erfolgreich: Mit einem breiten Produktportfolio kommen die Produkte in zahlreichen Branchen zum Einsatz wie der Lebensmittelproduktion, in unterschiedlichsten Industrien und in der Halbleiterfertigung.

Exzellenz strebt GEMÜ nicht nur bei seinen Produkten, sondern auch in seinen Produktions- und Verwaltungsprozessen an, um diese durch den gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf ein Level höchster Effizienz und Präzision zu heben. Am Anfang dieses Prozesses stand ein Verpackungsprojekt: Bei einer siebenstelligen Anzahl an Produktvarianten und 65 verschiedenen Kartongrößen wurde die manuelle Zuordnung von Produkt und Verpackung immer schwieriger. Jetzt macht die KI den Mitarbeitenden Vorschläge – und verbesserte die Trefferquote von 80 auf 95 Prozent. Außerdem macht das Pilotprojekt das Thema „Künstliche Intelligenz“ erstmals für die Belegschaft greifbar.

Bald werden weitere KI-gestützte Prozesse hinzukommen: Dann wird die Künstliche Intelligenz im Wertstrom zunehmend komplexe Entscheidungen unterstützen und Abläufe entlang des gesamten Prozesses optimieren. Grundlagenwissen und Best Practices für solche Projekte findet Sebastian Rautenberg, ​Head of global Process Excellence Center, am IPAI: „Wir sind regelmäßig in diversen Formaten und fachspezifischen Austauschgruppen vertreten“, berichtet er. „Gerade die IPAI-Calls bringen uns weiter, weil wir dort gezielt über einzelne Themen sprechen können.“ Auch in der Produktion soll KI künftig zum Einsatz kommen: GEMÜ will mit ihrer Hilfe Anomalien erkennen und eingreifen können, bevor Ausschuss entsteht. Und in der Verwaltung sollen KI-Agenten für mehr Effizienz sorgen. Rautenberg erklärt im Gespräch, warum der direkte Austausch mit Praktikern am IPAI für das Unternehmen und seine KI-Projekte so wertvoll ist.

Rautenberg: „KI ist ein riesiger Hype, der jetzt zum Gamechanger wird.“ Man müsse nun unterscheiden, wo der Hype nur Hype sei und wo Künstliche Intelligenz tatsächlich Mehrwerte bringe. Sicher sei, dass KI kein Allheilmittel darstelle – die Idee, bei einem Problem einfach KI darauf zu packen, funktioniere nicht. GEMÜ gehe von Anfang an Use-Case-basiert an KI-Projekte heran. Ein messbarer Mehrwert und Impact für die Kollegen in den Prozessen sei dabei essenziell. Gleichermaßen bestehe die Herausforderung darin, den entstehenden Aufwand zu berücksichtigen und einer geeigneten Datenqualität gerecht zu werden. Das größte Learning bis jetzt laute darum, dass man seine Prozesse wirklich kennen und verstehen müsse, was gute von schlechten Daten unterscheide. Genau das lerne man auch durch den Austausch mit anderen Unternehmen am IPAI.

Angesprochen auf den Wert des IPAI, etwa im Vergleich zur Zusammenarbeit mit klassischen Beratungen, erklärt Rautenberg, dass klassische Unternehmensberatungen mit allgemeinen Ansätzen kämen und theoretisch aufzeigten, wo KI-Potenziale liegen könnten. Für GEMÜ gehe es aber konkret darum, sich mit Unternehmen auszutauschen, die bereits Pilotprojekte umgesetzt haben und echte Best Practices teilen können. Am IPAI treffe man Kollegen, die vor ähnlichen Herausforderungen stünden oder diese bereits gemeistert hätten. Dies reiche vom strategischen Austausch bis hinunter zum technischen Detail, über das sich die Entwickler auf Programmierebene austauschen könnten. Durch das große Netzwerk am IPAI finde er immer den richtigen Ansprechpartner, was laut Rautenberg „viel wertvoller als generalistische Ansätze“ sei.

GEMÜ ist regelmäßig in den Town Hall Meetings und fachspezifischen Austauschgruppen vertreten. Gerade die IPAI-Calls brächten das Unternehmen weiter, da dort gezielt über einzelne Themen gesprochen werden könne. Aber auch der Standort des IPAI spiele eine wesentliche Rolle: Für GEMÜ als Unternehmen aus dem ländlichen Hohenlohe sei es wichtig, Zugang zur Region Heilbronn zu erhalten. Deshalb nutze man auch die Büroflächen vor Ort. Das IPAI biete die Möglichkeit, sich als Unternehmen zu platzieren und über den Arbeitsmarkt Talente zu erreichen.

Herausforderung

Vom Hype zur praktischen Umsetzung – KI-Projekte erfolgreich in Serienprozesse integrieren. Mit echtem und messbaren Impact und die Mitarbeitenden an KI heranführen.

Lösung

Praxisnaher Austausch mit IPAI-Partnern statt theoretischer Beratungsansätze – Vom strategischen Dialog bis zum technischen Detail auf Entwicklerebene.

Steckbrief
  • 2.500 Mitarbeitende weltweit
  • 525 Millionen Euro Umsatz (2024)
  • Seit August 2024 IPAI-Mitglied
  • Branche: Maschinenbau
    (Ventil-, Mess- und Regelsysteme)

Gebr. Müller Apparatebau
GmbH & Co. KG
Gert-Müller-Platz 1
74635 Kupferzell
www.gemu-group.com